Bei der Veranstaltung «Partizipativ 2022» der Konova trafen sich öffentliche Verwaltungen, Hochschulen, Ökosystem-Partner und Interessenten der Themen Dialog und Partizipation in Schlieren. In spannenden Praxisbeiträgen und einer Podiumsdiskussion wurde das Leitthema «Wie kann Dialog zu einer nachhaltigen Zukunft beitragen?» breit diskutiert.

Zunehmend ist ein breiter Einbezug aller betroffenen Stakeholder notwendig, um nachhaltige Lösungen für die Gesellschaft zu entwickeln. Wie kann der Dialog mit den Anspruchsgruppen effektiv und effizient geführt werden? Diese Frage wurde gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft diskutiert. Die rund 60 Teilnehmenden konnten aus den vorgestellten Praxis-Projekten lernen, wie durch Dialog und Partizipation nachhaltige und qualitative Lebensräume und Vorhaben entstehen können.

Von der E-Vernehmlassung im Kanton Obwalden zum Konova Lab

Nach der Begrüssung von Roland Brun, Verwaltungsratspräsident der Konova AG, gab Miro Hegnauer, CEO und Mitgründer, interessante Einblicke in den Ursprung der Konova.

Aus einer Problemstellung im Kanton Obwalden, wo das Amt für Raumentwicklung und Verkehr vor der Herausforderung stand, eine Richtplanvernehmlassung rascher und effektiver abzuwickeln, entstand mit der Konova AG ein Unternehmen mit zehn Mitarbeitenden und einer Standardlösung, die mittlerweile in über 100 öffentlichen Verwaltungen erfolgreich eingesetzt wird.

Konfrontiert mit der Herausforderung, dass ein breites Verständnis von Dialog und Partizipation für erfolgreiche Beteiligungsprojekte unabdingbar ist, hat die Konova neue Angebote und Formate geschaffen, die weit über die Softwarelösung hinausgehen: In der Dialog-Academy wird Praxis-Wissen rund um die Themen Dialog und Partizipation geteilt, in der Projektwerkstatt steht die aktive Projektbegleitung im Zentrum, mit der E-Mitwirkung verfügt die Konova über eine praxisgeprüfte Dialog- und Mitwirkungsplattform und mit dem Konova Lab sollen künftig vermehrt innovative Dialogprozesse erforscht und in der Praxis getestet werden.

Dialog auf Augenhöhe im Amt für Wald beider Basel

Ob für Pflanzen, Tiere, Spaziergänger*innen oder Jäger*innen – im Wald prallen private Nutzungsanliegen und öffentliche Schutzinteresse aufeinander. Wie dank Partizipation ein Dialog auf Augenhöhe geführt werden kann, zeigte Ueli Meier, Amtsleiter vom Amt für Wald beider Basel.

Es sei wichtig, dass man mit einem weissen Blatt und einer gewiesenen Offenheit in den Dialog starte. Ebenso müssen die Rollen, Zuständigkeiten und Regeln für den partizipativen Prozess klar definiert werden – das schafft Transparenz. Ein gut strukturierter Prozess kann der Verwaltung helfen, Überraschungen in der Diskussion zu verringern und tragfähige Lösungen zu erarbeiten (Konsens statt Kompromiss).

Lehren aus dem Grosserfolg der Bieler Bürgerbewegung im Westast-Dialog

Wie ein Dialog- und Partizipationsprozess aus der Bevölkerung (Bottom-up) organisiert werden kann, zeigte Catherine Duttweiler. Die Expertin und Dozentin für Partizipation und Kommunikation war massgeblich an der Bürgerbewegung beteiligt, welche die zwei geplanten Autobahnanschlüsse im Zentrum vom Biel verhindert hat.

Die Westastopposition bestand aus 15 unabhängigen Organisationen. Um Interessen zu bündeln und zu koordinieren, war Catherine Duttweiler während des Westast-Dialogs als «Dialog-DJ» tätig. Es braucht also nicht nur Partizipation und Dialog zwischen Verwaltung und Bevölkerung – auch innerhalb einer Bürgerbewegung können nachhaltige Lösungen gefunden werden. Dank Schwarmintelligenz (Crowdsourcing) kann auf ein grosses Engagement und eine vielseitige Expertise der Gesellschaft zurückgegriffen werden.

Als Erfolgskonzept für einen nachhaltigen Dialog zitierte Duttweiler die Immobilienentwicklerin Claudia Siegle von Mobimo: «Wenn Du am Schluss schnell sein willst, musst Du am Anfang langsam sein: offen und dialogisch während des ganzen Prozesses arbeiten.»

Dialogprozess «Wil Vivendo – Mobilität» schafft wertvollen Gestaltungsraum

Ein weiterer interessanter Dialogprozess kam aus der Ostschweiz. In der Stadt Wil gelang es, mit dem Wil Vivendo-Projekt die Gesamtkommunikation des Agglomerationsprogram Stadt Wil sowie die flankierenden Massnahmen zur Standortentwicklung WILWEST zielgruppengerecht zu kommunizieren sowie mit einem Dialogprozess breit abzustützen.

Philipp Gemperle, ehemaliger Kommunikationsleiter Stadt Wil sowie Leiter Kompetenzfeld Öffentliche Hand bei der Agentur «Die Botschafter», machte klar: Die Menschen stehen bei Wil Vivendo im Zentrum. Unterschiedliche Menschen sind von verschiedenen Massnahmen unterschiedlich stark betroffen. Deshalb hat sich die Stadt Wil entschieden, einen Quartieransatz zu wählen und dort mit den Menschen zu diskutieren, wo sie betroffen sind. Durch eine Kombination von analogen Dialogformaten und E-Mitwirkungen konnte sich die Bevölkerung gezielt einbringen. Der Prozess war aufwendig, aber hat sich gelohnt.

Gehe frühzeitig direkt zu den Menschen. Der Aufwand lohnt sich!

Philipp Gemperl
Ehemaliger Kommunikationsleiter Stadt Wil, Leiter Kompetenzfeld Öffentliche Hand bei der Agentur «Die Botschafter», Stadtrat Romanshorn
Philipp Gemperl

Bürgerpanels für mehr Klimaschutz

Eine neue Form der politischen Beteiligung findet Einzug in der Schweiz. Andri Heimann vom Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA) zeigte auf, wie zufällig ausgeloste Einwohnerinnen und Einwohner, welche die Vielfalt der Gesellschaft abbilden, gemeinsam Empfehlungen zu politischen Themen aushandeln können. Diese Bürger*innenräte wurden in Thalwil, Uster und Winterthur zum Thema Klimaschutz durchgeführt und liefern interessante Einblicke in eine neuartige Form der Bürgerbeteiligung.

Einerseits stärken die Bürgerpanels die Partnerschaft zwischen Bevölkerung und Politik/Verwaltung, andererseits tragen sie zur Lösung von komplexen oder schwierigen Herausforderungen bei. Diese Art der Beteiligung eigne sich vor allem für die Deeskalation in blockierenden Themen, für die Kompromissfindung bei Werte- und Zielkonflikte oder für eine proaktive Politikgestaltung mit Querschnitt der Bevölkerung, so Andri Heimann.

Mit genügend Zeit, den wichtigsten Informationen und einer Begegnung auf Augenhöhe sind «normale» Einwohner:innen in der Lage, fundierte und breit abgestützte Lösungen zu erarbeiten.

Andri Heimann
Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand, Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA)
Andri Heimann

Inspirierende Diskussionen und anregendes Podiumsgespräch

Im letzten Teil des Nachmittags fand ein angeregtes Podiumsgespräch unter Einbezug der Teilnehmenden unter der Moderatio von Ramón Casutt, Partner und Berater bei der Konova AG, statt. Diskutiert wurde beispielsweise die Frage, ob Dialog- und Partizipationsformate institutionalisiert werden sollen. In gewissen Städten und Gemeinden wäre dies durchaus wünschenswert. Die meisten Menschen wollen sich projektspezifisch in einem Vorhaben einbringen, das ist auch ein Grund, warum immer weniger Leute in einer Partei sind, so Catherine Duttweiler.

Das Risiko, dass sich nach einem initialen «Hype» eine Partizipationsmüdigkeit breit macht, schätzen die Gäste als gross ein. Umso wichtiger sei es, partizipative Prozesse gezielt anzusetzen.

Voneinander Lernen

Die vorgestellten Projekte sowie die anschliessende Podiumsdiskussion haben gezeigt: Es gibt kein Standardrezept für erfolgreiche Dialog- und Partizipationsprozesse. Unterschiedliche Formate und Kanäle müssen kombiniert und ausprobiert werden, abhängig vom Thema, von den Anspruchsgruppen und der individuellen Situation. Mit der Dialog-Academy und der Projektwerkstatt bietet die Konova AG hier Unterstützung.

Im abschliessende Apéro, konnten sich die Expertinnen und Experten aus den Bereichen Kommunikation, Partizipation, Wissenschaft und der Raumplanung mit den Vertreterinnen und Vertretern von Gemeinden, Städten und Kantonen austauschen und gemeinsam Ideen (weiter)entwickeln.