Mit der Verabschiedung der Räumlichen Entwicklungsstrategie (RES) hat die Gemeinde Baar einen wichtigen Meilenstein in der Ortsplanungsrevision erreicht. Bei der Mitwirkung wurde die Bevölkerung über drei Gefässe einbezogen – Ein Musterbeispiel für andere Gemeinden.

Die räumliche Entwicklungsstrategie (RES) ist ein Teilprojekt der Ortsplanungsrevision und bildet die Grundlage für die anschliessende Revision der Richt- und Nutzungsplanung der Gemeinde Baar. Bei der Erarbeitung des RES in der Zuger Gemeinde mit rund 24'600 Einwohnerinnen und Einwohner hat Partizipation eine zentrale Rolle gespielt. So sah der Prozess einen intensiven Einbezug der Bevölkerung über drei unterschiedliche Gefässe zu unterschiedlichen Zeitpunkten vor.

Informationsveranstaltung zum Abschluss der Räumlichen Entwicklungsstrategie
Informationsveranstaltung zum Abschluss der Räumlichen Entwicklungsstrategie

Einbezug über ein Begleitgremium

Im zwölfköpfigen Begleitgremium waren alle Baarer Ortsparteien sowie diverse Interessengruppen (Korporationen, Gewerbe, Naturschutz usw.) vertreten. Das Begleitgremium wurde während des gesamten Prozesses in die Arbeit einbezogen und konnte bereits in der Grundlagen- beziehungsweise Analysephase Inhalte aktiv mitbestimmen. Durch die Interessensvertreterinnen und Interessensvertreter im Begleitgremium hatte die Baarer Bevölkerung bereits frühzeitig eine Stimme im Projekt.

Einbezug über das Reflexionsgremium

In einer zweiten Phase ging es darum, die erarbeiteten Ziele und Leitsätze zu den fünf Themenbereichen Gemeindeentwicklung, Freiraum- / Landschaftsentwicklung, Verkehrsentwicklung, Siedlungsentwicklung und Zentrumsentwicklung zu validieren. Dafür wurde nebst der Begleitgruppe ein Reflexionsgremium geschaffen. Die Gemeinde Baar hat für das Reflexionsgremium gegen 60 interessierte Personen aus der Bevölkerung eingeladen, welche die Bevölkerung von Baar hinsichtlich Alter, Geschlecht, Wohnquartier sowie weiteren Interessen so gut wie möglich widerspiegeln sollten.

Das Begleit- und das Reflexionsgremium konnten zuerst in hybriden Veranstaltungsformaten und danach digital über die E-Mitwirkung in jedem Themengebiet zum entsprechenden Leitsatz wie auch zu den dazugehörigen Zielen Rückmeldungen einreichen. Dies bot den Vorteil, dass einerseits wertvolle Pausendiskussion von Veranstaltungen nicht verloren gingen und andererseits die Teilnehmenden orts- und zeitunabhängig vertieft die digitalen Unterlagen studieren und fundierte Rückmeldungen erfassen konnten.

E-Mitwirkung in der Gemeinde Baar
E-Mitwirkung in der Gemeinde Baar

Einbezug der breiten Bevölkerung

Abgestützt auf den bisherigen Mitwirkungen wurde in einer letzten Phase im Rahmen der öffentlichen Mitwirkung die gesamte Baarer Bevölkerung einbezogen. Insgesamt wurden während einer Online-Veranstaltung und in der anschliessend durchgeführten E-Mitwirkung 1'300 Inputs von 130 Teilnehmenden generiert.

Damit sich interessierte Personen jederzeit einen Überblick über den Prozess verschaffen konnten, wurden sämtliche Informationen wie beispielsweise Video-Aufzeichnungen von Informationsveranstaltungen auf der Projektwebseite der E-Mitwirkung www.mitwirkung-baar.ch veröffentlicht. Dies war besonders wichtig, da Information die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Partizipation darstellt.

Die grosse Anzahl Rückmeldungen konnte anschliessend in Themengebiete gruppiert und entsprechend in einem Mitwirkungsbericht ausgewertet werden. Dieser stellte die Grundlage für die Überarbeitung und Fertigstellung der RES dar. Dank der digitalen Mitwirkung konnte der Bericht effizient erstellt und digital unterstützt werden.

Die drei verschiedenen Gefässe sowie die Kombination von Online-Veranstaltung und E-Mitwirkung haben uns geholfen, die gesamte Bevölkerung von Baar abzuholen und in unterschiedlichen Projektschritten zu involvieren. Es war enorm, wie viele wertvolle Rückmeldungen eingegangen sind.

René Strehler
Abteilungsleiter Planung/Bau, Einwohnergemeinde Baar

Ablauf kann als Musterprozess für weitere Schweizer Gemeinden dienen

Der angewandte Mitwirkungsprozess, bestehend aus den unterschiedlichen Gefässen sowie Mitwirkungsmöglichkeiten, zeigt exemplarisch, wie ein crossmediales Prozessdesign zum Erfolg eines Vorhabens beitragen kann. Für Gemeinden, die ebenfalls vor einem politischen Vorhaben stehen, kann er als Prozessvorlage dienen. Bei Fragen steht die Konova AG mit ihrem Ökosystem gerne zur Verfügung.